Ja, wir leben noch…
Hoch motiviert zu arbeiten kamen wir in Bundaberg um 23Uhr nachts an. Erste Frage: Wie kommen wir zum Hostel?? Klare Antwort: laufen. Wir hatten die idealen Voraussetzungen, keine Karte von Bundaberg und absolut keine Ahnung wohin:) Immerhin hatten wir die Adresse und es war auch nicht zu heiss, also stand unserem Marsch nichts im Wege:) Da Bundaberg nachts wie ausgestorben ist, hatten wir wirklich Glueck, dass wir trotzdem zwei Mal jemanden gefunden haben, den wir nach dem Weg fragen konnten und so fanden wir schliesslich unser Ziel nach nicht mal allzu langer Zeit, aber auch nur, weil es das einzige Gebaeude war, das halbwegs nach Hostel aussah. Erst mal kleiner Schock: wo sind wir hier, hier sollen wir 3 Wochen wohnen??? Vor den Tueren ueberall total verdreckte und verstaubte Arbeitsklamotten und Schuhe, irgendwelche Einkaufswagen, denn wenn der Einkauf zu schwer ist, dann nimmt man den Einkaufswagen mit nach Hause…, und uns war klar, wir sind angekommen im Arbeitslager. Da die Rezeption NATUERLICH schon laengst geschlossen hatte, waren wir dann froh, als wir endlich den Weg in den Innenhof gefunden hatten, wo uns 3 freundliche Backpacker den Weg zum TV-Raum zeigten, in dem wir unsere Nacht verbracht haben. Immerhin genuegend Sofas, mehr braucht man ja nicht zum Schlafen:)
Morgens um 8.30 konnten wir dann endlich einchecken und wurden in unser 10er-Zimmer gschickt, in dem fast alle noch schliefen. Unser neues Zuhause…
Nach und nach kam aber einer nach dem anderen aus dem Zimmer und so haben wir unsere neuen Mitbewohner kennengelernt: Jens und Christoph, 2 Deutsche; Sophie, Vanessa und Nicholas, drei Franzosen und zwei oder drei undefinierbare Asiaten, vermutlich Koreaner, wie die meisten hier, man konnte es nicht wirklich wissen, da ihre Betten vollkommen vermummt waren und wir sie so gut wie nie gesehen haben…
Beim Fruehstueck aben wir uns dann so halbwegs ueber die Arbeit aufklaeren lassen und uns entschieden, fuer den Tomaten-Shed-Job anzufragenund tatsaechlich standen wir dann abends um 19.30, nach gespanntem Warten, auf der Worklist fuer den naechsten Tag, was wir bis dahin noch nicht wussten, es wuerde wirklich RICHTIG hart werden, so was kann man sich nicht vorstellen…
Abfahrt zum Shed war 11.20, also mussten wir nicht allzu frueh aufstehen, aber auch nicht zu spaet, da das Bad von 16 Bewohnern benutzt wird. Zum Glueck waren viele schon bei der Arbeit…
Also war Duschen angesagt, fruehstuecken und vorkochen, damit wir an unserem langen Arbeitstag auch was zum Essen hatten. Haben uns unter anderem gleich von dem Essen der anderen inspirieren lassen:) Also gab es in den 3 Wochen auch anderes als Pasta:) Wir haben neue Lieblingsgerichte: selbstgemachter Kartoffelbrei und Erbsen, Fischsandwich, Reis-Gemuesepfanne, Chinesische Nudeln mit Zuchini-ja, was man nicht so alles isst… und Pasta mit SELBSTGEMACHTER Tomatensosse, grosser Vorteil, wenn man im Tomatenshed arbeitet, weil man taeglch Tomaten mitgehn lassen kann:) Hauptnahrungsmittel Nr.1 waren aber wohl Zwiebeln, die in jedem Gericht ihre Verwendung gefunden haben:) Was wir auch sehr viel vernichtet haben waren Muesliriegel, Bananen, unserewn neuen Lieblingsschokoriegel Boost und Unmengen an „Gsels“toast.
Zurueck zum ersten Arbeitstag: als wir in den Arbeiterbus eingestiegen sind, wusstn wir noch nicht, was auf uns zukommt. Erst mal war etwa eine halbe Stunde Fahrt angesagt, auf sehr holprigen Strassen. Wir waren froh, lebendig angekommen zu sein-Bob sei Dank!!
Unsere Arbeit startete mit einem furchtbaren: „Leeeeet’s goooo!!!“-aaaaahhhh… Nach einer minimalen Einweisung: Black Box-> Premium, Brown Box on tyhe top-> second, rubbish und return- was das aber alles jetz so genau bedeuten sollt, wussten wir leider nicht und brachten so fast den ersten shoot zum Ueberlaufen… Nach und nach wurden wir dann von den anderen Backpackern halbwegs aufgeklaert. Es kommen tausende Tomaten auf einen zu, man muss die Klappe oeffnen und die Tomaten so schnell wie moeglich alle richtig sortieren, was aber bei der Geschwindigkeit unmoeglich ist… Es gibt alle moeglichen Groessen und Farben bei den Tomaten, die dann auch noch richtig zugeordnet werden muessen, insgesamt 30 verschiedene Arten, wer blickt da noch durch. Normalerweise interessiert so was keinen Mensch und so steht man da und fragt sich nur: „Was mach ich hier eigentlich…??“ Wie im richtigen Arbeitslager gibts dann natuerlich aucheinen Supervisor, der auf der Maschine oder sonst wo rumsteht und schreit:“ Go faster, bla, bla…“ und da die gute Frau an unseren ersten Tagen besonders gut gelaunt war, wurden wir auch noch sehr freundlich darauf hingewiesen, dass wir unser deutsch zu unterlassen haetten, wenn wir nicht gefeuert werden wollen usw… War mal ne neue Erfahrung… Nach 12 Stunden Arbeit waren wir ziemlich geschafft und uns tat so ziemlich alles weh… Um 00.30 warn wir dann Zuhause und sin sofort ins Bett gefallen… Die naechsten 7 Tage liefen genau so ab und jeden Tag waren wir gespannt, ob wir vielleicht gefeuert wuerden aufgrund der Qualitaetskontrollen(was soll das bitte sein, jede einzelne Tomate aus der Box einzeln kontrollier-die haben echt nichts zu tun…) oder sonstigem, z.B. eine gute Tomate in den Rubbish werfen-welch Verbrechen, was von Turtle sofort entdeckt wird: sie schaut:ah, Tomate in rubbish, rennt wie ein Wiesel am Band entlang und ist dann doch sehr erleichtert, wenn es wirklich eine schlechte Tomate war… Man sollte sich auch nicht weigern kriechend auf dem Boden alle Tomaten aufzusammeln, wenn der Big Boss da ist und nach dem Rechten schaut, nein dann muss alles seine Ordnung haben. Wir haben natuerlich nichts dagegen unter Maschinen rumzukriechen, in denen sich leider auch ab und zu die Haare verfangen, und von Hand in einer Bruehe aus Dreck und Chemikalien Tomaten aufzusammeln, die am natuerlich am naechsten Tag wieder verwendet werden-solch gute Qualitaet kann nicht verschwendet werden…
Ja, hier ist vieles etwas gewoehnungsbeduerftig. U.a. auch wenn eine Maschine nicht mehr lauft oder kaputt ist. Keiner weiss, wie man sie repariert, also wird sie „gefixt“, zwei angebliche Mechaniker stehen auf der Maschine, schauen bloed rum und im Endeffeckt tritt man zwei mal dagegen oder verwendet irgendein Wuerth-Spray, das gerade in der Naehe steht…Unglaublich…
Nach einer 8-Tage-Woche, haben wir uns also sehr auf unseren ersten Day-Off gefreut. Ja, hier sind eben auch 84-Stunden in einer Woche moeglich…
Am Abend vor unserem Day-Off hatte Chris Geburtstag und so kamen wir zum ersten Mal in den Genuss von Bundaberg-Rum und von einem selbstgemachten Orginal-Chris-Papa-Kartoffelsalat : Danke Chris:)
Aber unser freier Tag war voll mit irgendwelchen Sachen, die erledigt werden mussten: wir mussten waschen wobei die Waesche beim Waschen leidernoch dreckiger wurde…, in die Stadt um unsere Bankkarte abzuholen, ins Internet und natuerlich einkaufen. Nach so viel Stress und nach dem wir unser erstes Gehalt bekommen hatten, haben wir uns unser erstes Nutella-Glas hier geleistet, fuer satte $6,88:) Der Tag war also wieder bald vorbei, da wir natuerlich durch die halbe Stadt zu Coles gelaufen sin, anstatt nebenan zu IGA- wir koennten ja 3Cent sparen:) HAben natuerlich in unserer Zeit hier sehr viele Preisvergleiche gestartet und festgestellt, dass sich der Weg zu Coles nicht unbedingt lohnt, weil auch IGA sehr tolle Angebote hat:) Ausserdem gibts bei IGA auf der „Baeckers“Theke immer ganz tolle Sachen zum Probieren, die wir natuerlich immer mitgehen lassen haben und von so manchem Verkaeufer etwas komisch angeschaut wurden mit der Zeit, wenn wir mal wieder um die Regale geschlichen sind und auf den richtigen, unbeobachteten Moment gewartet haben…Ja, in Bundaberg muss man verrueckt werden…:)
Wir kamen auch auf tolle Ideen, wie ne 4er Packung Eis zu kaufen, weil es dann billiger is. Da wir kein Gefrierfach haben, mussten wir dnn alle 4 Eis an einem Tag essen - uns war etwas schlecht danach, aber Hauptsache gespart:)
Auf jeden Fall gings am naechsten Tag weiter mit der Arbeit. Eigentlich hatten wir uns nach der anstrengenden Woche ueberlegt, doch nur 2 Wochen in Bundaberg zu bleiben, weil man in 2 Wochen die Zeit abarbeiten kann, die man sonst in 3 Wochen arbeitet, ein Blick aufs Konto hat uns aber weiterarbeiten lassen…:) Wollen schliesslich Weihnachten und New Year geniessen.
Also, startklar fuer die naechste Woche- let’s go… Dienstags haben wir uns dann unseren zweiten Day-Off gegoennt. Warum? Weil dienstags in Bundaberg Pizza-Tag ist: jede Pizza fuer $5, also 3Euro. Wenn das mal kein Grund ist… Gerade wegen solchen Sachen oder unserem Spartick oder natuerlich wegen unserem schwaebisch (-schd
) wurden wir des oefteren etwas belaechelt:) So sind wir halt:)
Am gleichen Tag sin wir auch in ein 4er-Zimmer umgezogen. Mitbewohner: eine Asiatin, die nicht wirklich englisch konnte und etwas komisch war, wenn man sie mal gesehen hat und eine Englaenderin, die die meiste Zeit bei ihrem Freund war, also eher 3er-Zimmer. Uebrigens fast so kalt wie der Kuehlschrank, dank Klimaanlage…
Die 12-Stunden Tage reduzierten sich, bis es schliesslich keine Arbeit mehr im Shed fuer die Backpacker gab. Also hatten wir letzten Samstag einen Zwangs-Day-Off. Freitag Abend haben wir dann genutzt, um die Wassermelone in unserer Kueche zu klauen, waren uns sicher, dass die eh keiner mehr essen will:) Da wir aber sooooo gerne arbeiten:) waren wir dann am Sonntag Tomaten picken auf dem Feld, was fuer ein Tag… Morgens um 3.30 aufstehen und fruehstuecken, wie immer Muesli mit Rosinen (ja Mama, auch ich…:)). Neben uns die letzten Alkoholleichen von Samstag Abend, die sich sehr ueber einen Apfelschnitz gefreut haben:) Um 4.20 gings los. So was muss man gesehen haben. Wir zwei in einem Bus voll mit Asiaten, die natuerlich sehr gut fuer die Feldarbeit geruestet waren, mit Ganzkoerperbedeckung und Strohhut. Und noch eine Europaeerin,die abr leider sehr gezeichnet vom Vorabend war… Auf dem Weg zum Feld haben wir dann fast ein Kaenguru ueberfahren, mal was anderes als ein Reh:) Um 5Uhr sind wir etwa angekommen und durften dann in einem Schuppen mit 25 Asiaten auf den Arbeitsbeginn um 6Uhr warten-warum?? Nachdem wir unsere Reihen zugewiesen bekommen haben, haben wir uns gemuetlich in den Staub gesetzt und Cherry-Tomaten gepflueckt, war sehr entspannend. Kein Stress, weil wir auch kein grosses Ziel hatten, kein Maschinenlaerm und sogar die Hitze war ertragbar. So waren wir richtig relaxt, was nicht alle unedingt nachvollziehen konnten. Nach 7 Stunden pfluecken war die Arbeit dann eigentlich vorbei. In Deutschland wuerde man dann eigentlich heimgehen und sich von dem ganzen Dreck und so befreien. Da die Australier aber sehr entspannt sind… , durften wir noch ueber 3 Stunden auf den Bus warten, was uns etwas angenervt hat, da wir nach nur 3 Stunden Schlaf nachts doch etwas muede waren…
Also haben wir uns fuer Montag nen anderen Job geben lassen: Adam’s Farm. Hatten keinen Plan, was das sein sollte, aber wir sind ja offen fuer alles… Ausserdem standen auf der Liste viele Leute, die wir kannten, also waren wir beruhigt. Um 5Uhr sind wir dann eher tot als lebendig aufgestanden und um 6Uhr gings los. Erster Eindruck auf der Farm: „Ahhh, die essen uns!“
War aber dann ein richtig schoener Tag. Wir mussten Suesskartoffeln pflanzen. Zuerst mussten wir aber die Blaetter von den Suesskartoffeln auf dem Feld abschneiden, um ueberhaupt pflanzen zu koennen. War aber sehr schnell getan und dann gings a zum Planting. Bestand darin, auf nem Sandfeld an Reihen entlang zu laufen und die Glaetter darauf abzulegen. Zwar etwas eintoenig und langweilig, aber besser als so n Stress im Shed:) Die Sonne war auch ertraeglich, da es auch etwas windig war. Der Sonnenbrand blieb aber leider nach 9 Stunden Arbeit trotzdem nicht aus… In den Pausen sassen wir im Vorgarten beim Farmewr und haben sogar Kaffee und Tee angeboten bekommen-ein richtiger Gluecksfall also. Ausserdem gabs 2 Hunde, einen Jacky:) Hat mich natuerlich besonders gefreut:)
Nach der Arbeit mussten wir dieses Mal nur ne halbe Stund warten, dann gings heim. Auf unsere Dusche haben wir uns nach dem Tag im Staub so richtig gefreut- das )Problem ist nur, dass man einfach nicht mehr richtig sauber wird, naja, vielleicht in ner Woche oder so:)
Abends haben wir dann mitgekriegt, dass wir wirklich Glueck hatten, da auf einer anderen Planting-Farm ganz andere Zustaende herrschen: Man darf 2,5 Stunden nichts trinken, kein eigenes Wasser mitbringen, auch 2,5 Stunden nicht aufs Klo und man muss die ganze Zeit stehen, also nichts mit hinsetzen oder auf den Boden knien. Es gibt auch so andere Spezialisten, die ihren Arbeitern dann in der Pause 3 Paracetamol verabreichen, damit sie die Schmerzen aushalten und weiterarbeiten koennen… Also teilweise echt Zustaende, die wir uns nie vorstellen haetten koennen…
Es gibt aber auch Positives hier. Hier ist ne ziemlich familiaere Atmosphaere, da man durch die selbe harte Arbeit ein ganz anderes Verhaeltnis zu den Leuten aufbaut und man gerade dadurch doch wieder zum Arbeiten motiviert wird und wir hatten wirklich mal nen laengeren Aufenthalt an einem Ort. Und nicht zu vergessen natuerlich der Pizza-Tag, so wie heut:) Haben uebrigens heute wieder Day-Off:)
Dann sind noch 2 Tage Arbeiten angesagt, was auch immer- lassen uns ueberraschen. Und dann am Donnerstag-Nacht gehts weiter nach Hervey Bay. Um 3.30 gehts los, das heisst, wir werden wieder nachts durch halb Bundaberg zur Station laufen… Vom 22.-24.12. werden wir dann endlich unseren Fraser-Island-Trip geniessen und dann irgendwo Weihnachtyen verbringen… Und dann gehts ab nach Sydney, um Silvester zu feiern- juhu… Dann ist das Jahr schon vorbei und wir sind dann schon 7 Wochen unterwegs… Ja, wenn man arbeitet geht die Zeit echt schnell vorbei…
Werden uns aber auf jeden Fall vorher nochmal melden und auch noch ein paar Bilder schicken, was hier in unserem Hostel leider nicht moeglich ist…
Senden euch ganz liebe Gruesse!!
Bussis, haben euch lieb!! Die 2 Farmerinnen